Synagogenbesuch der Klassen 10a, 10d und 10 e in der
Stuttgarter Synagoge
Am Dienstag, den 29.Januar, besuchten 80 Schüler der Klassen 10a, 10d und 10e zusammen mit ihren Lehrern Frau Riedle, Herrn Klein und Herrn Dreher die Synagoge in Stuttgart.
Die Synagoge umfasst nicht nur den Gebetsraum der jüdischen Gemeinde, sondern einen ganzen Gebäudekomplex mit Kindergarten, Jugendclub, Schule, Altenclub, Altersheim und Restaurant. Bevor wir den Synagogenraum betraten, mussten alle ihre Rucksäcke und Taschen ablegen, normalerweise werden aus Sicherheitsgründen auch noch die Personalausweise kontrolliert. Wie uns unsere Führerin, Frau Rachel Dror, sagte, kontrolliert die Polizei jede halbe Stunde die Umgebung der Synagoge, nach öffentlichen Veranstaltungen wird der Raum von Polizeihunden nach Sprengstoff durchsucht.
Schüler:“ Ich finde es schlimm, dass die rechte Gewalt in Deutschland immer noch so präsent ist, dass Deutsche jüdischen Glaubens ständig Angst vor Anschlägen haben müssen“. Betritt man nun die 1952 wieder aufgebaute Synagoge, befindet man sich in einem weiten, schnörkellosen, hellen und einladenden Raum, in dem die hebräischen Schriftzeichen an den Wänden neugierig machen. An der linken Seitenwand sieht man zwei hellrote Gesetzestafeln eingemauert. Sie sind die einzigen Zeugen der alten Stuttgarter Synagoge, die in der Pogromnacht vom 9. November 1938 angezündet und zerstört wurde. Der damalige christliche Hausmeister rettete sie zusammen mit seinem Enkel unter Lebensgefahr aus den Trümmern und versteckte sie. Auf der Ostseite sind ganz rechts und ganz links je 6 Lichter zum Holocaustgedenken angebracht, die symbolisch an die 6 Millionen ermordeter jüdischer Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern sollen.
Frau Dror machte am Anfang deutlich, dass sie „nur“ die Synagoge und den Jüdischen Glauben vorstellen, nicht aber auf die religiösen, geschichtlichen, politischen oder sozialen Hintergründe des Holocaust eingehen wolle. Zu diesen Fragen bot sie uns ihren Besuch an der Schule an.
Natürlich würde es zu weit führen, wenn wir nun in allen Einzelheiten Frau Drors Darlegungen und Erklärungen zur jüdischen Religion ausführen würden. Trotzdem einige Anmerkungen dazu, die uns überhaupt nicht bekannt waren: Jude ist man nur, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Will man zum Judentum übertreten, muss man die 613 Gebote und Verbote der Tora über 6 Jahre lernen und wird dann von einem Rabbiner geprüft. Außerdem findet beim Mann dann noch die Beschneidung statt. Alle Regeln der Tora, der 5 Bücher Mose also, werden von einem gläubigen Juden genau befolgt, egal ob es sich um Geburt, Taufe, Bar Mitzwa, Heirat oder Tod handelt.
Frau Dror erklärte uns dann die Bedeutung des Toraschreins, des Ewigen Lichtes darüber, der Kanzel, der Bima, des Davidsternes, der sieben- und achtarmigen Leuchter, der Symbole für die Stämme Israels an der Empore. Weiter sprach sie über die Rollen von Mann und Frau, sitzen doch beim Gottesdienst die Männer im Innenraum der Synagoge, während die Frauen auf der Empore Platz nehmen.
Wir alle empfanden die jüdische Religion in der Darstellung von Frau Dror als extrem streng !
Die zwei Stunden in der Stuttgarter Synagoge waren sowohl vom Inhalt her als auch von der Lebendigkeit und Anschaulichkeit, mit der die 87 Jahre alte Dame erzählte, total beeindruckend für uns. Es ist einfach ansprechender und interessanter, wenn man „vor Ort“ informiert wird, als wenn man im Klassen- zimmer nur liest oder sich über Bilder informiert .
„Strahlt keinen Hass aus“, gab uns Frau Dror am Schluss noch mit auf den Weg. „ Hass ist das Schlimmste!“
Hass führt zu Gegenhass. Man soll sich über Menschen keine Meinungen bilden, wenn man sie nicht kennt. Egal ob sie behindert, schwarz, weiß, asiatisch oder unterschiedlichen Glaubens sind: Alle Menschen sind gleich!
Klasse 10 a
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